Bausteine: Wie baue ich ein ETF-Portfolio auf?
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Wie baue ich ein ETF-Portfolio auf?

Wie sollte ein optimales ETF-Portfolio aufgebaut sein? Die Mischung macht's! Jan Altmann, ehem. Senior ETF-Analyst bei justETF (jetzt Director Investment Strategy bei ETC Group), hat praktische Tipps für die Depotmischung: Wie baue ich ein ETF-Portfolio auf?

ETF-Portfolio aufbauen: Tipps vom Profi

Jan Altmann ist Senior ETF-Analyst bei dem Internetportal JustETF. Er gibt regelmäßig Online-Seminare und moderiert den justETF Talk-Podcast. Im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit bei der Deutschen Börse hat er im Jahr 2000 das ETF-Handelssegment der Deutschen Börse ins Leben gerufen.

finanzielle: Wie gelingt der erste Schritt beim Aufbau eines ETF-Portfolios?

Jan Altmann: Wer sich fit in der Theorie fühlt, sucht zunächst ein Ziel, auf das er oder sie hinsparen möchte. Denn die schönste Strategie ist nutzlos, wenn sie nicht zu meinen Zielen passt. Der Aufbau eines ETF-Portfolios ist generell eine gute Herangehensweise, denn es kann je nach Risikoneigung unterschiedlich ausgestaltet werden. Der Weg dorthin ist so leicht, dass man ihn ohne Bankberater:in beschreiten kann. Dafür muss man allerdings auch bereit sein, einige Entscheidungen selbst zu treffen.

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Was empfehlen Sie für eine erste einfache Umsetzung?

Ein Ziel kann beispielsweise der langfristige Vermögensaufbau mit Aktien-ETFs sein. Wertsteigerungen an den Aktienmärkten, die sich über Dividenden und Kursentwicklung erzielen lassen, tragen zur Vermögensbildung bei. Besonders einfach: Mit nur einem einzigen ETF auf den MSCI World teilt man seinen Anlagebetrag auf bis zu 1.600 Unternehmen in 23 Kapitalmärkten entwickelter Industrieländer auf. Dann ist ein ETF schon ein Investment in einen ganzen Aktienkorb. Dem Aktienrisiko kann man gelassen entgegensehen, sofern man einen langfristigen Anlagehorizont hat. Für den MSCI World hat JustETF die Renditen der letzten 50 Jahre analysiert. Ähnlich wie beim Renditedreieck auf den DAX haben wir herausgefunden, dass bei einer Anlageperiode von 14 Jahren keine negativen Renditen zu erwarten sind.

Aber in ein Portfolio gehören ja nicht ausschließlich Aktien, oder?

Von einem Portfolio spricht man erst, wenn man mehr als ein Wertpapier im Depot hält. Es kann dadurch auch entstehen, dass man über die Zeit immer mal wieder eine Aktie erworben hat. Ein Portfolio kann durchaus nur aus Aktien-ETFs bestehen. Aber man kann natürlich auch in andere Anlageklassen wie Anleihen investieren. Schuldverschreibungen von Staaten und Unternehmen eigenen sich beispielsweise zur Beimischung, um das Portfolio zu stabilisieren. Grundsätzlich mindern sie jedoch die Rendite, weil sie kaum Erträge bringen. Dafür sind sie schwankungsärmer, gut kalkulierbar und sicher. Achtung: Diese Regel gilt nur für Anleihen in Euro von Schuldnern mit guter Bonität. Beispielsweise europäische Staatsanleihen. In den JustETF Musterportfolios findet man Anregungen, wie eine solche Aufteilung aussehen kann.

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Anleihen von Staaten und Unternehmen eignen sich zur Beimischung, um das Portfolio zu stabilisieren. 

Wie baue ich ein ETF-Portfolio auf? Beispiele auf der Praxis

Lassen Sie uns ein beliebtes Portfolio anschauen…

Beliebt sind die Weltportfolios, die es in verschiedenen Risikoausprägungen, das heißt mit unterschiedlichen Beimischungen, gibt. Das Classic 50 ist ein ausgewogenes Musterportfolio, das aus 50 Prozent globalen Aktien und 50 Prozent europäischen Staats- und Unternehmensanleihen besteht. Hier investieren Anlegende über Index-Klassiker wie zum Beispiel den S&P 500 (Anm. der Red. Aktien von 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen) oder den Stoxx Europe 600 weltweit supergünstig und breit gestreut in große Unternehmen. Die Aktien-ETFs werden nach der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes oder einer Region ausgerichtet. Dadurch rücken die USA mit einer Gewichtung von 14 Prozent eher in – im Vergleich zu ihrer sehr starken Position im MSCI mit rund 70 Prozent. Hingegen treten die wachstumsstarken Schwellenländer, darunter China, mit 19,5 Prozent in den Vordergrund. Durch die Fokussierung auf Index-Klassiker kann man aus einem großen Pool an ETFs mit sehr günstigen Konditionen wählen.

Ein Musterdepot ist vergleichbar mit einem Kochrezept: Man bekommt sinnvolle Gewichtsangaben und Zutaten. Der Zubereitung kann man folgen, oder für sich selbst noch etwas nachschärfen. Wie besorgt man die richtigen Zutaten, sprich die ETFs?

Wer langfristig anlegt, wünscht sich einen Fonds, der den geplanten Anlagezeitraum überdauert. Und eben nicht vorzeitig geschlossen wird. Durch zwei Auswahlkriterien gelingt es, das sehr unwahrscheinlich zu machen: Der ETF muss mehr als 100 Millionen Euro verwalten und älter als drei Jahre sein. Unterschiede gibt es auch bei der Methode der Indexnachbildung: Wer sich nicht im Detail damit befassen möchte, sollte sich auf physisch vollständig oder teilweise abbildende ETFs beschränken. Im zweiten Schritt wählen wir bei JustETF die günstigsten ETFs ihrer Klasse. Diese werden passend zum Musterportfolio angezeigt.

Berufsanfänger:innen zwischen 20 und 30 Jahren können zu 100 Prozent in Aktien investieren.

Wie ist das mit der Gewichtung? Kann ich die wie beim Kochen auch etwas abwandeln?

Bei der der Gewichtung der Anlageklassen kommt es nicht auf die letzte Nachkommastelle an. Hier kann man sich an Bandbreiten orientieren: 70 bis 100 Prozent Aktienquote würde man im Finanzjargon als „wachstumsorientiert“ bezeichnen.

Das bedeutet dann eher riskant. Was machen eher vorsichtige Anleger:innen?

50 Prozent Aktienquote sind „ausgewogen“ und 30 Prozent „defensiv“. Wie eingangs erwähnt, wird der Aktienanteil durch den risikominimierenden Anleiheanteil, ergänzt. Das bedeutet bei 100 Prozent Aktienquote, dass keinerlei Anleihe-Sicherung vorhanden ist. Bei 30 Prozent Aktien stabilisieren 70 Prozent Anleihen das Depot.

Welche Musterportfolios sind beliebte Klassiker? Und was ist relativ neu?

Besonders beliebt sind Musterportfolios mit wenigen ETFs, weil sie sich leicht umsetzen lassen. Nach dem Motto „keep it simple“ kommen zum Beispiel einfache Aktien-Weltportfolios plus Emerging Markets mit nur zwei ETFs aus. Die thesaurierende wie die ausschüttende Variante sind dabei gleichermaßen beliebt. Ebenso häufig werden Dividenden-Portfolios für den langfristigen Vermögensaufbau mit Qualitätstiteln gesucht. Relativ neu und sehr beliebt sind die nachhaltigen Portfolios – allen voran das SRI Global BIP, das streng nach normativen Kriterien bewertet. 

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Wie groß das Risiko beim Anlegen darf, ist auch eine Frage des Alters. Können Sie uns grob sagen, welche Gewichtung in welcher Lebensphase zum Einsatz kommen sollte?

Berufsanfänger:innen zwischen 20 und 30 Jahren, die Vermögensaufbau ohne konkrete Deadline betreiben möchten, können zu 100 Prozent in Aktien investieren. Es sei denn, sie sind besonders ängstlich was Kursschwankungen betrifft. Manche:r fühlt sich wohler, etwas zur Sicherung beizumischen. Das kann übrigens auch Tagesgeld sein, das die meisten merkwürdigerweise nicht berücksichtigen.

Bei den 30-Jährigen kommt vielleicht ein Partner oder eine Partnerin hinzu. Das heißt, man entscheidet über ein gemeinsames Vermögen – möglicherweise auch über das von Kindern. Da sollte Einigkeit herrschen, wie man vorsorgt. In dieser Lebensphase planen viele die Anschaffung einer Immobilie. Dafür ausschließlich mit Aktien-ETFs anzusparen ist problematisch, weil man nicht weiß, wo der Markt gerade steht, wenn man sein Traumhaus findet – und dann Aktien verkaufen möchte. Für solche Ziele kann ein ausgewogenes Verhältnis von 50/50 passend sein.

Sind die Kinder aus dem Haus, also mit über 50 Jahren, steigen die Konsumausgaben und die Rente rückt näher. Möglicherweise fällt sie spärlicher aus als gedacht.

Ist es klug, nun alles auf Aktien zu setzen, um die Rente noch schnell aufzubessern?

Nein, denn wenn man mit 65 in Rente gehen will, bleibt einem nicht mehr so viel Zeit, ein Börsentief auszusitzen. Das führt dazu, dass man der Sicherungskomponente mehr Gewicht verleihen muss – passend zum persönlichen Lebensweg.

Und zu guter Letzt: Wie gelingt der Ausstieg?

Natürlich kann man von den Ausschüttungen allein nicht leben. Bei zum Beispiel vier Prozent pro Jahr benötigte man dafür enorm viel Geld. Gleichermaßen ist es falsch, am ersten Tag des Rentner-Daseins alle ETFs auf einen Schlag zu verkaufen. Denn dann bricht die ganze Steuerlast über einen herein. Elegant ist ein Entnahmeplan, der umgekehrt zum Sparplan funktioniert. Regelmäßig wird ein Festbetrag entnommen und die entsprechenden Anteile an der Börse verkauft. Solange noch nicht alles abgetragen ist, kann sich das Vermögen munter weiter vermehren.

JustETF ist eines der größten Portale für ETF-Strategien in Europa. Die Plattform unterstützt Anleger:innen, die sich mit börsengehandelten Indexfonds selbst ein eigenes Portfolio aufbauen wollen – ob als Investment, ETF-Sparplan oder beides. Hier finden Anleger:innen ETF-Vergleiche, Musterportfolios, Anlageplaner und Anlageleitfäden.

Ein praktisches Tool von JustETF ist der Strategie-Planer. Damit können User:innen über einen siebenstufigen Prozess Vorschläge für ein passenden Portfolio erhalten. Zunächst muss ein Anlagebetrag eingegeben werden. Dann wird das Risikoprofil definiert, aus dem ein Risikoanteil resultiert. Dieser wiederum wird im vierten Schritt auf einzelne Klassen aufgeteilt. Am Ende werden entsprechende ETFs vorgeschlagen, die man im letzten Schritt direkt über die eigene Depotbank kaufen kann.

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