Frau hält den Zweig einer Tomatenpflanze: FNG-Siegel für nachhaltige Finanzen
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FNG-Siegel für nachhaltige Geldanlage: Das sagt es aus

Nachhaltig investieren wollen viele. Damit das auch zuverlässig gelingt, helfen die Finanzsiegel. Wir zeigen dir, wie die Prüfung beim bekanntesten Finanz-Ökolabel, dem FNG-Siegel, abläuft.

Achtest du im Alltag auch auf den Grünen Knopf bei Textilien und das MSC-Siegel beim Fisch? Dann ist es höchste Zeit, grüne Wegweiser auch bei der Geldanlage zu berücksichtigen. Aber wie funktioniert das bei Anlageprodukten? 

Ganz ehrlich, wir alle haben doch die Nase voll von Greenwashing. Also Anbietern oder Produkten, die nur so tun, als ob sie nachhaltig wären. Güte- oder Qualitätssiegel helfen da bei der Orientierung und Bewertung. Natürlich ist nicht jedes Label auch ein Garant dafür, dass ökologisch, sozial und ethisch investiert wird. Deshalb möchten wir euch ein Nachhaltigkeitsprädikat vorstellen, dass genauer hinschaut: das FNG-Siegel. 

Was ist das FNG-Siegel?

Hinter den drei Buchstaben FNG verbirgt sich das Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. Ein Fachverband, hinter dem 200 Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum stehen, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft einsetzen. Darunter sind beispielsweise die Investmentgesellschaft der deutschen Versicherung AXA, die Bank für Sozialwirtschaft und die österreichische Erste Investmentgesellschaft.  

Das Forum vergibt seit 2015 unter anderem das FNG-Siegel für nachhaltige Investmentfonds. Die fachliche Überprüfung, das sogenannte Audit, der Fonds, ihrer Strukturen und Inhalte übernehmen die Finanzexpert:innen der Uni Hamburg. Ein zusätzliches Komitee, dem Anleger:innen  aber auch Vertreter:innen der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft, Kirchen und NGOs angehören, sorgt für die Unabhängigkeit des Siegels. Frauen wie Parisa Shahyari vom WWF oder Dr. Katharina Muner-Sammer von der österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik überprüfen die Siegelvergabe kritisch. Sie helfen die Prüfungsmethoden weiterzuentwickeln oder begleiten Entscheidungen, wenn es mal knifflig wird. 

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So läuft die Bewertung des FNG-Siegels ab

Soviel vorweg: das Nachhaltigkeitssiegel wird nicht großzügig verteilt. Jedes Jahr kommen die Fonds bei diesem externen Finanz-TÜV erneut auf den Prüfstand. Die Asset-Manager müssen sich bewerben und zahlen einen vierstelligen Betrag für den Nachhaltigkeitscheck. 

Schritt 1: Kurzer Prozess 

Im ersten Schritt erhalten jene eine Art Basissiegel, die die Mindestanforderungen erfüllen. Und das sind nicht wenige: Beginnend bei Transparenzkriterien und Arbeits- & Menschenrechten über Umweltschutz bis hin zur Korruptionsbekämpfung. Diese Kriterien fußen auf dem UN Global Compact, der weltweit größten und wichtigsten Initiative für nachhaltige und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Dieser globale Pakt hat einige Ziele definiert, die bei vielen Nachhaltigkeitsprüfungen die Basis bilden. Zudem müssen die Unternehmen im Fonds auf Nachhaltigkeit analysiert werden. Auch der Investmentfonds selbst muss eine dezidierte Nachhaltigkeitsstrategie nachweisen. Ausgeschlossen werden Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, bedeutsame Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung. Hier sprechen Expert:innen von einer Blacklist. 

Gut zu wissen: Trotzdem filtert die Systematik nicht alles aus. In der Rubrik fossile Brennstoffe ist beispielsweise der britische Mineralölkonzern BP (noch) zulässig, da lediglich Unternehmen ausgeschlossen werden, deren Schwerpunkt auf Kohle, Fracking oder Ölsanden liegt. Aber auch dieses Unternehmen wandelt sich: Gerade hat BP mit dem  Energieversorger EnBW die Genehmigung für einen Windpark von der Größe Berlins vor der schottischen Küste erhalten. 

Kann man hier durchfallen? Definitiv ja! Beim Test für 2022 etwa entsprachen von 281 Kandidaten insgesamt 24 Investmentfonds nicht den Mindestanforderungen. 

Alle nachhaltigen Siegel für finanzprodukte im überblick:

Schritt 2: Die Kür 

Wer das Pflichtprogramm absolviert hat, kann sich in der Kür Punkte, beziehungsweise Sterne, holen. Die Fondsbranche liebt übrigens Sterne. An dieser Stelle kommt die Uni Hamburg ins Spiel: Mit einem Katalog von über 80 Fragen analysiert Professor Dr. Timo Busch vom Lehrstuhl Management and Sustainability jeden einzelnen Fonds und seine Anlagepolitik, die Unternehmen und Staaten, deren Aktien und Anleihen, die darin enthalten sind sowie den Anbieter selbst. Der Check reicht von der Glaubwürdigkeit über Produktstandards bis hin zu Impact- und ESG-Kriterien. Wichtig ist, dass die nachhaltige Anlage auf Herz und Nieren geprüft wird. 

Ganz konkret? Schauen die Expert:innen zum Beispiel, wie der Anbieter Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb umsetzt. Unter die Lupe kommen die Recherchemethoden und das Reporting. Geprüft wird auch, welche Kriterien der Fonds über den Standard hinaus erfüllt. Macht er beispielsweise einen echten Unterschied? Dann ist er ein sogenannter Impact-Fonds. Und spielt damit in der Top-Liga der besonders Nachhaltigen. 

Du siehst, die FNG-Prüfung geht richtig tief, weit über die reine Betrachtung des Fonds hinaus. Wie in der Medizin ist der Ansatz eher ganzheitlich. Und das Ergebnis deshalb vielleicht auch etwas aussagefähiger als das anderer Öko-Etiketten. Am Ende erhält jeder geprüfte Fonds zwischen einem und drei Sternen. Je nachdem, wie viel Gewicht du dem Thema Nachhaltigkeit bei der Anlage geben willst, wählst du einen Ein-Sterne-Fonds oder eben einen Drei-Sterne Fonds aus. 

Insgesamt wurden 2022 für die Siegelvergabe 281 klassische Investmentfonds und ETFs (eher wenige, weil der Test teuer ist) unter die Lupe genommen. Die Bandbreite reicht von ganz kleinen Nischenfonds mit einer Million Anlagevolumen bis hin zu Zehn-Milliarden-Portfolios. Knapp ein Viertel der Fonds kann im Test 2022 eine Drei-Sterne-Bewertung erlangen. Die Mehrheit von 117 Fonds muss sich mit  zwei Sternen begnügen. Aktienfonds haben den größten Anteil, gefolgt von gemischten und reinen Anleihefonds. 

Ein Tipp zum Schluss 

Letztendlich sollen dir alle Siegel eine erste Orientierung bieten. Die Bewertung der Nachhaltigkeit ergänzt dabei lediglich das Anlagedreieck aus Risiko, Rendite und Liquidität um eine vierte Komponente. Achte immer darauf, dass auch die anderen Parameter stimmen! 

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© Marcus Witte
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