Foto von Suzanna Randall
© Marek & Beier

Suzanna Randall greift nach den Sternen

Die Astronautin Suzanna Randall will als erste deutsche Frau ins All. Dafür absolviert sie ein knochenhartes Raumfahrttraining. Wie sie Ängste meistert und die Schwerelosigkeit für Forschungszwecke nutzt.

Suzanna Randall im Interview: Ein wenig über dem Materiellen schweben…

„Ich bin nicht so der megarisikofreudige Mensch“, sagt Suzanna Randall direkt zu Beginn unseres Gesprächs. Ach so? Gleitschirmfliegen, Tauchen, Pilotenschein, in 5200 Metern Höhe in der Salzwüste Atacama herumkraxeln, um für mehrere Wochen im Jahr als Astrophysikerin mit ALMA, dem größten Radioteleskop der Erde zu arbeiten. Und jetzt auch noch ein Flug ins Weltall. Risikoempfinden scheint etwas sehr Individuelles zu sein. 

„Ich mache gerne ungewöhnliche Dinge und erweitere meinen Horizont“, erklärt sie. Ein Adrenalinjunkie sei sie keinesfalls. Aber der Ausbruch aus einer vorhersehbaren Welt gefällt ihr schon. „Ein wenig über allem Materiellen schweben“, sagt Suzanna, das sei ihr Ding. Ihr Element: die Luft. Die Weite. Der Himmel. „Aber man könnte mich auch in ein absurdes Museum einladen“, sagt sie und lacht. „Da wäre ich sofort dabei.“ 

Weil auch in ihrer Kindheit, im Einfamilienhaus in Bergisch Gladbach, wo sie gemeinsam mit ihrem Bruder aufwuchs, viel musiziert wurde, singt Suzanna neben ihrer Arbeit an der Europäischen Südsternwarte in München und dem Astronautentraining noch im Chor, spielt Klavier und macht Yoga – zur Entspannung. 

Die Faszination für die Sterne, für andere Welten, beflügelt sie bereits ihr Leben lang. Ihre Eltern – beide Linguisten, die mit dem All nie etwas am Hut hatten – berichten, dass Suzanna bereits als Dreijährige stundenlang den Mond beobachtete und als Schülerin davon sprach, als erster Mensch zum 56 Millionen Kilometer entfernten Mars reisen zu wollen. Alternativjobs: Piratin oder Entdeckerin.

Da ihr Vater aus London stammt, wuchs Suzanna bilingual auf, war immer gut in Sprachen, Kunst und Musik. In Mathe hatte sie eine Vier, Physik wollte sie in der Oberstufe abwählen, musste das ungeliebte Fach aber bis zum Abi durchziehen. Zum Glück. Das Studium eines MINT-­Faches (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) ist Voraussetzung, um überhaupt Astronautin werden zu können. „Ich habe irgendwann begriffen, dass diese Fächer wichtig sind, wenn ich meinen Traum vom Flug ins All erreichen will“, erinnert sie sich. Sie strengte sich an, verbesserte ihre Noten – auch dank eines neuen Lehrers, der den Physikunterricht plötzlich spannend und lebhaft gestaltete. 

„Leider hängt viel davon ab, wie ein Fach unterrichtet wird“, glaubt ­Suzanna. „Es ist ein krasses Klischee, das immer noch in unseren Köpfen tief verankert ist, dass Mädchen Mathe nicht können“, sagt sie. Deswegen macht sie – on top zu allem anderen – gezielte Projektarbeit an Schulen, unterstützt die Lehrkräfte dabei, Kinder für Technik zu begeistern. „Leider ist es oft so, dass vor allem Lehrerinnen selbst Berührungsängste haben und sich nicht trauen, mit den Kindern zum Beispiel zu programmieren“, erzählt sie. „Diese Unsicherheit, die ihnen selbst eingetrichtert wurde, geben sie natürlich an die Kinder und vor allem die Mädchen weiter.“

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Love what you do: Suzanna Randall hat einen Youtube-Kanal

Was die 1,59 Meter kleine Suzanna weitergibt, ist vor allem Begeisterung. Auf dem Youtube-Kanal „Terra X Lesch & Co“ erklärt sie verständlich Planeten, Sonnensysteme und Schwarze Löcher. Bis heute hat sie sich einen kindlichen Forschertrieb bewahrt. Wenn sie von den Weiten der Galaxie erzählt, spricht sie noch schneller als ohnehin schon, die Stimme voller Lebensfreude. Vermutlich ist diese Kombination aus Inbrunst und Heiterkeit auch nötig, um die Ausbildung zur Astronautin zu überstehen. Oder wie Suzanna: sie sogar zu lieben. Parabelflüge, bei denen es einem schon beim Zuschauen angst und bange – und vor allem schrecklich schlecht – wird. Tagelange Isolation in einer engen, dunklen Höhle. Schnell vorgetragene Zahlenreihen, die man in umgekehrter Reihenfolge wiederholen muss. In voller Raumfahrtmontur mit winzigem Schraubenzieher Reparaturen ausführen – und zwar unter Wasser, in mehreren Metern Tiefe. Und regelmäßig verrückte Übungen, bei denen man in Höchstgeschwindigkeit im Kreis gedreht oder in Druckkammern gesperrt wird. Bei vielen Tests geht es letztlich darum, den eigenen Körper kennenzulernen. Ab wann werde ich ohnmächtig und wie kämpfe ich dagegen an? Wie lange kann ich in einem stockdunklen Wasserbecken treiben, ohne Angst zu bekommen?

Und dann das Risiko des Fluges an sich. Geschichten von Astronauten, die das Gefühl bei der Landung mit dem Aufprall bei einem Verkehrsunfall beschreiben. Die Gefahr, tatsächlich zu sterben. Seien wir ehrlich: Für die meisten Menschen wäre das alles der blanke Horror. 

Doch Suzanna gerät nie in Panik. Für die Eventualität, den Flug ins All nicht zu überleben, wird sie Vorkehrungen treffen. Bei den knochenharten Übungen wirkt sie, als hätte sie den Spaß ihres Lebens. „Ich habe auch schon mal Angst“, verrät sie. Einmal sei sie zum Beispiel mit dem Gleitschirm vor einem Gewitter geflogen und immer höher gestiegen. Nichts, was sie tat, konnte ihren Aufstieg bremsen. Doch sie ging planvoll vor, probierte ein Abstiegsmanöver nach dem nächsten und schaffte es schließlich zurück auf die Erde. „Ich sehe in solchen Situationen meine Angst als etwas Nützliches und analysiere sie genau. Ist sie wirklich begründet, dann muss ich handeln, aber überlegt. Ist sie unbegründet, muss ich mir das ebenfalls bewusst machen und sie weiterziehen lassen“, erklärt sie ihre Taktik und eine Fähigkeit, die man als Astronautin mitbringen sollte.

Bereits vor 13 Jahren hat Suzanna schon einmal versucht, Astronautin zu werden, als die Europäische Weltraumorganisation ESA ein Ausbildungsprogramm startete. Suzanna bewarb sich, schaffte es in die erste Runde – und flog dann raus. Aus Naivität hatte sie für die Tests nicht gelernt. „Das war dumm“, gibt sie heute zu. „Ich dachte, entweder man kann es oder halt nicht. Heute weiß ich, dass man Techniken erlernen kann, um viele der Aufgaben zu meistern.“ Jahrelang ärgerte sie sich über sich selbst. Bis sie ihre zweite Chance bei „Die Astronautin“ bekam und nun seit 2018 ihre Raumfahrtausbildung macht.

Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Insa hat sie ein Buch für Kinder geschrieben. In „Unser Weg ins All“ erzählen die beiden von dem Abenteuer ihres Lebens. Am Ende wird sich der Traum nur für eine der beiden erfüllen. 50 Millionen Euro kostet der Flug zur ISS – pro Person. Zu teuer, um beide zu schicken. „Wir werden beide sehr enttäuscht sein, wenn die andere fliegt“, gibt Suzanna freimütig zu. „Aber wir sind ein Team. Wir arbeiten für dieselbe Sache. Wenn Insa fliegt, werde ich die Kommunikation von der Bodenstation aus übernehmen. Und umgekehrt genauso.“

Der Sitzplatz in der Crew Dragon des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX ist bereits reserviert. Bisher fehlen jedoch private Sponsoren – Konzerne oder private Spender. Und auch die Bundesregierung möchte sich bislang nicht dafür engagieren, eine Frau auf Forschungsmission zur ISS zu schicken. „Wir sind in vielen Gesprächen mit Minister*innen sowie mit großen Konzernen“, erzählt Suzanna. „Alle finden das Projekt toll, aber keiner traut sich, Geld zu geben. Dabei wäre es da und ein wichtiges Signal, es zu investieren.“ Warum liegt eigentlich  auf der Hand. Ohne Raumfahrt gäbe es auf der Erde zum Beispiel kein GPS. Google Maps wäre Sience-Fiction. Zudem könnten ohne Forschung auf der ISS viele Medikamente nicht richtig getestet werden. Da der Körper in der Schwerlosigkeit schneller altert, ist es zum Beispiel möglich, Medizin gegen Osteoporose oder Muskelschwund zu erforschen.

Suzanna würde sich bei ihrer rund zweiwöchigen Forschung im All nach den Wünschen der Konzerne richten, die letztlich ihren Flug bezahlen. Aber auch viele Bildungsexperimente in der Schwerelosigkeit machen, spannende Videos, die Kinder und Jugendliche motivieren und ihnen zeigen, wie cool Physik ist. Und wohin man damit gelangen kann. Der Himmel ist eben doch nicht das Limit! 

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