Frau am Laptop: Equal Pay Day am 6. März 2024
Anna Shvets / Pexels

Equal Pay Day am 6. März 2024: Es bewegt sich zu wenig!

Am 6. März 2024 ist Equal Pay Day. Er erinnert an die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern. Bis zu diesem Tag im Jahr arbeiten Frauen in Deutschland quasi kostenlos.

Equal Pay – auch 2024 immer noch ein Riesenthema

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist dramatisch. Immer noch. Zum Equal Pay Day wird jedes Jahr wieder auf den eklatanten finanziellen Nachteil aufmerksam gemacht, dem Frauen im Berufsleben ausgesetzt sind. In Deutschland verdienten Frauen im Jahr 2023 durchschnittlich 18 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Der Equal Pay Day ist der symbolische Tag, bis zu dem Frauen unbezahlt arbeiten, während Männer ab dem 1. Januar 2024 für ihre Arbeit entlohnt werden. 2024 ist es der 6. März. Zwei Tage später ist übrigens der Internationale Frauentag 2024. Wie sich der diskriminierende Unterschied in der Bezahlung auf weibliche Renten niederschlägt, zeigt der Gender Pension Gap.

Unter dem Motto „Höchste Zeit für equal pay“ rückt die diesjährige Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Zusammenhang zwischen Zeit und Geld in den Mittelpunkt und zeigt, welche Lösungsansätze es für eine gerechte Zeitverteilung gibt. Hintergrund ist, dass in Deutschland fast jede zweite Frau in Teilzeit arbeitet, jedoch nur nur jeder zehnte Mann. Da Frauen in Teilzeit häufig Führungsverantwortung in Teilzeit verwehrt bleibt, und in und nach Auszeiten wie Elternzeit oft keine Gehaltserhöhungen von Arbeitgeber:innen gezahlt werden (Frauen in Teilzeit verdienen durchschnittlich 17 Prozent weniger pro Stunde als Frauen in Vollzeit), liegt in diesem Jahr ein besonderer Fokus auf dem Thema Arbeitszeit und Entgeldgleichheit.

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Aber warum tun wir uns 2024 immer noch so schwer mit dem Thema Equal Pay? Sarah Lincoln ist Juristin der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Sie unterstützt Frauen, die gerichtlich gegen Lohnungerechtigkeiten vorgehen und auf Equal Pay klagen, und gibt uns Antworten auf drängende Fragen.

Warum klagen in Deutschland bislang so wenig Frauen auf Equal Pay?

Es wird hierzulande Frauen sehr schwer gemacht, Equal Pay durchzusetzen. Es fängt damit an, dass viele gar nicht wissen, was ihre männlichen Kollegen verdienen. In großen Betrieben können Frauen dank des Entgelttransparenzgesetzes immerhin den Mittelwert der männlichen Vergleichsgehälter erfragen. Aber selbst, wenn eine Frau weiß, dass die Männer mehr verdienen, hat sie es vor Gericht schwer.

Inwiefern?

Bis vor Kurzem verlangten deutsche Gerichte, dass die Frau nachweist, dass der Gehaltsunterschied am Geschlecht liegt. Das ist kaum möglich. Zum Glück hat das Bundesarbeitsgericht klargestellt, dass es Sache des Arbeitgebers ist, objektive Kriterien für den Unterschied nachzuweisen. Das Hauptproblem ist aber weiterhin, dass Frauen, die gegen ihren Arbeitgeber klagen, erhebliche Konsequenzen zu befürchten haben, von Mobbing bis hin zur Kündigung.

Ist es unpopulär, Equal Pay zu fordern?

Wenn eine Frau das gleiche Gehalt wie die männlichen Kollegen fordert, wird sie schnell als missgünstig oder Nestbeschmutzerin wahrgenommen. Sie läuft zudem Gefahr, dass ihre Arbeit schlecht gemacht wird. Der Arbeitgeber muss den Lohnunterschied ja irgendwie rechtfertigen.

Wie beeinflusst das europäische Recht das Thema?

Dass Frauen Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit haben, gibt das Europarecht seit 1957 vor. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat früh klargemacht, dass dies nicht nur auf dem Papier stehen soll. Die Beweislastumkehr und auch die strengen Anforderungen an die Rechtfertigung – das kommt alles vom EuGH.

Lässt die europäische Entwicklung auf eine Besserung hierzulande schließen?

Ja, in Deutschland bewegt sich etwas, auch dank mutiger Frauen, die sich für den Weg vors Arbeitsgericht entscheiden. Gerade zuletzt kamen vom Bundesarbeitsgericht einige sehr europarechtsfreundliche Entscheidungen zur Entgeltgleichheit.

Was können Männer tun, um für Equal Pay einzutreten?

Wenn es darum geht, Equal Pay durchzusetzen, sind auch die männlichen Kollegen und die leider noch immer sehr männlich geprägten Gewerkschaften gefragt. Männer können zur Transparenz beitragen, indem sie ihre Gehälter offenlegen und sich mit Frauen solidarisch zeigen.

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Spannende Fakten zum Equal Pay Day 2024

  • 18 % verdienten Frauen 2023 im Schnitt je Stunde weniger als Männer. Die Unterschiede fielen in Westdeutschland (und Berlin) mit 19 Prozent deutlich höher aus als im Osten mit 7 Prozent.
  • Deutschland ist im europäischen Vergleich auf einem der letzten Plätze – der europäische Gender Pay Gap beträgt rund 13 Prozent
  • 10 % soll der Gender Pay Gap laut Ziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 „nur“ noch ausmachen.
  • Das geschlechtsspezifische Gefälle bei den Alterseinkünften, auch Gender Pension Gap genannt, liegt in Deutschland bei 29,9 Prozent. Die Alterseinkünfte von Frauen waren damit durchschnittlich knapp ein Drittel niedriger als die von Männern
  • Teilzeitarbeit führt zu einem niedrigeren durchschnittlichen Bruttomonatseinkommen von 32 Prozent für Frauen

Welche Chancen haben Arbeitnehmerinnen vor Gericht?

Hat die Frau erfahren, dass männliche Kollegen für die gleiche oder eine gleichwertige Tätigkeit mehr verdienen, begründet das die Vermutung, dass die Klägerin eine Entgeltbenachteiligung erfahren hat. Der Arbeitgeber muss sich entlasten und objektive Gründe vorweisen. Das wird in vielen Fällen nicht gelingen, daher kann sich die Klage durchaus lohnen.

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