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Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Versicherungen – habe ich da eigentlich alles, was ich brauche? Oder zahle ich für Policen, die ich mir sparen könnte? Das haben wir uns von einem Experten erklären lassen – und gleich auch ein paar Spartipps eingesammelt. Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Überversichert? Ein Check ist wichtig, um sicherzugehen, dass man die Versicherungen hat, die man wirklich braucht!

Die Preise steigen, vieles wird massiv teurer – vom Supermarkteinkauf bis zur Energierechnung. Da liegt es nahe, dass viele ihre Ausgaben kritisch prüfen – und zwar auch die für Versicherungen. Habe ich die richtige Police und benötige ich all diese Verträge wirklich, die meinen Versicherungsordner füllen? Wir haben uns von Peter Grieble, Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, erklären lassen, wie du für dich herausfindest, welche Versicherungen für dich unverzichtbar sind. Außerdem hat Peter Grieble Tipps parat, wie du bei deinen Ausgaben für Versicherungen sparen kannst, ohne Abstriche bei deiner Absicherung zu machen. 

finanzielle: Wie finde ich heraus, welche Versicherungen ich wirklich brauche? 

Peter Grieble: Eine gute Idee ist eine Einkaufsliste für Versicherungen. Welche finanziellen Risiken sind für mich persönlich am bedeutendsten? Die schreibe ich ganz nach oben auf die Liste. 

Wenn etwas mit einem Wert von ein paar hundert oder tausend Euro kaputt geht, dann ist das vielleicht ärgerlich. Aber das ruiniert mich nicht. Wenn es aber um Werte von hunderttausend Euro oder sogar mehr geht, sieht das schon anders aus. Versicherungen, über die ich solch große Risiken absichern kann, gehören ganz oben auf die Einkaufsliste. 

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© Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V.

Peter Grieble, Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Wie gehe ich da vor?

Nach dem Prinzip: Vorrangige Absicherung der größten Risiken. Ziel ist, nicht ruiniert zu werden. Das Potenzial, sehr teuer auszufallen, haben definitiv Krankheiten und die notwendigen Behandlungskosten dafür. In Deutschland ist dieser Punkt allerdings insofern schnell erledigt, als dass jeder entweder über eine gesetzliche Krankenversicherung versichert ist oder eine private Versicherung abschließen muss – es gilt die Versicherungspflicht.

Das Prinzip vorrangige Absicherung der größten Risiken macht auch eine private Haftpflichtversicherung unverzichtbar. Dabei geht es gar nicht so sehr um eine schöne Vase, die ich bei Freunden umreiße. Den Schaden übernimmt die Haftpflichtversicherung natürlich auch. Vielmehr geht es um die wirklich großen Summen. Ein Beispiel: Ich gehe unachtsam über die Straße, ein Auto versucht auszuweichen und fährt in eine Gruppe von Fußgängern. Dann hafte ich mit allem, was ich habe, der Schaden würde mich ruinieren. Eine Haftpflichtversicherung ist daher Punkt eins auf meiner Versicherungseinkaufliste. Die Frage „Brauche ich eine private Rechtsschutzversicherung?“ klären wir übrigens hier noch einmal ausführlich.

Ausgaben und Einsparpotenzial

Die Deutschen geben jährlich im Schnitt 2700 Euro für Versicherungen aus. Verbraucherschützer:innen schätzen, dass das Einsparpotenzial groß ist: Wer seine Versicherungen optimiert, unnötige Verträge kündigt und in günstige Tarife wechselt, könnte demnach in vielen Fällen mindestens 40 Prozent sparen. Hier haben wir außerdem 4 Sparhacks für deinen Vermögensaufbau!

Okay, was steht noch drauf?

Zweiter wichtiger Punkt ist die Einkommensstromabsicherung. Ich habe eine Arbeit, die mir mein Einkommen sichert und mein ganzes Leben ist finanziell darauf aufgebaut, dass dieser Einkommensstrom bis zur Rente möglichst nicht zum Versiegen kommt. Dieses Gesamteinkommen ist enorm hoch, ich sollte es absichern für den Fall, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausüben kann, durch Unfall oder Krankheit. Das leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – in meinen Augen eine der wichtigsten Versicherungen.

Was viele vergessen: Einkommensstrom aufrechterhalten oder ermöglichen– das beginnt schon ab Geburt eines Kindes. Wenn ein Kind durch Unfall oder Krankheit so eingeschränkt wird, dass es nie einen Beruf ergreifen und Geld verdienen kann, dann hilft nur eine private Versicherung. Damit das Kind einen finanziellen Ersatz hat für das Einkommen, das es sonst verdient hätte. Denn Kinder haben gar keine gesetzlichen Rentenansprüche im Fall der Fälle – das ist im gesellschaftlichen Bewusstsein noch nicht angekommen. 

Für unter Zehnjährige empfehlen wir eine Kinderinvaliditätsversicherung, ab zehn Jahren ist es dann bereits möglich, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. 

Warum empfehlen Sie das? Ein Zehnjähriger hat doch noch keinen Beruf. 

Bis vor einigen Jahren wurde die BU mit dem Start ins Berufsleben empfohlen. Diese Empfehlung ist deutlich nach vorn gerückt – und das ist sehr sinnvoll. Denn eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler:innen hat viele Vorteile. Ein ganz wichtiger: Kinder haben meist keine gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, im Alter von 20 oder 25 Jahre kann das schon anders aussehen, wenn sich zum Beispiel erste Rückenleiden zeigen. Solche Gesundheitsprobleme können es enorm erschweren, eine Versicherung zu bekommen – oder die BU arg verteuern. Wer bereits in jungen Jahren abschließt, kann sich einen günstigen Tarif sichern und über Nachversicherungsoptionen die Versicherungssumme auch ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. (Link: mehr zur Absicherung von Kindern hier)

Wenn es um die größten Risiken geht, kann je nach Lebenssituation die Risiko-Lebensversicherung eine wichtige Absicherung sein. Sie sichert Angehörige im Fall des eigenen Todes ab, wichtig etwa bei laufenden Hauskrediten. Die Versicherungssumme kann dann zur Schuldentilgung eingesetzt werden. 

Wie sieht es mit wertvollen Dingen aus, die ich besitze?

Vermögensgegenstände sollten vorrangig abgesichert werden, sofern Verlust oder Schaden die Existenz bedrohen. Da bietet es sich sehr an, dass Immobilienbesitzer:innen ihre Immobilie versichern, etwa gegen Risiken durch Feuer, Sturm und Hagel. Auch eine Elementarschadenversicherung als Teil dieser Wohngebäudeversicherung ist sehr empfehlenswert. Darunter fallen Schäden durch Überschwemmungen, Erdbeben, Rückstau bei Starkregen, Schnee und Erdrutsche. 

Man hört immer wieder, dass Versicherungen bei Katastrophen wie Überschwemmungen nicht zahlen. Was ist denn da los? Sind solche Versicherungen dann überhaupt sinnvoll? 

Das stimmt, das liest man immer wieder. Aber das deckt sich nicht immer mit dem, was wir an Verbraucherrückmeldung haben. Es ist irreführend, wenn der Eindruck vermittelt wird, dass Versicherer immer nur die Beiträge kassieren und nie bezahlen. Dann bräuchte man keine Versicherungen und könnte damit auch wichtige Risiken nicht versichern. Richtig ist, dass in den allermeisten Fällen Versicherer zahlen, wenn sie nach den Versicherungsbedingungen leisten müssen. In den restlichen Fällen müssen im Zweifelsfall Gerichte entscheiden. Daher ganz wichtig: Vor dem Abschluss die Bedingungen genau lesen und sich beraten lassen. Das geht nicht in ein paar Minuten.

Bei Katastrophenfällen kommt es sicher vor, dass Versicherer schlicht überlastet sind: In kurzer Zeit treffen zum Beispiel bei einer Überschwemmungskatastrophe viele Schadensmeldungen ein, worauf manche Versicherungsgesellschaft nicht gut vorbereitet und zu wenig Personal vorhanden scheint. Auch kommt es vor, dass Verbraucher:innen gar nicht wissen, dass sie keine Elementarschadensversicherung haben. Sie wähnen ihr Gebäude vollumfassend abgesichert, es ist aber vielleicht nur gegen Feuer versichert. Es ist daher ratsam, in die Police zu schauen oder auch bei der Versicherung anzufragen, ob Elementarschäden versichert sind. 

Wie ist das mit der Hausratversicherung, ist die ein Muss?

Die Bedeutung der Hausratversicherung hängt entscheidend vom Wert der Einrichtung ab. So ist bei Student:innen, die keine teuren Möbel und auch kaum teure Geräte besitzen, die Wichtigkeit deshalb viel geringer als bei Familien mit teurem Hausrat. Bei der Entscheidung hilft auch wieder die Überlegung: Würde es mich ruinieren, wenn meine Wohnungseinrichtung hin wäre? 

Auch bei der Hausratversicherung kann man überlegen, ob man eine Elementarschadenabsicherung mit drin haben möchte. Wenn ich in einer Wohnung im 5. Stock wohne, habe ich zwar vielleicht kein so großes Risiko, von Überschwemmungen betroffen zu sein. Aber das Erdbebenrisiko habe ich in jedem Fall, da gibt es in Deutschland ein paar recht gefährdete Gegenden. 

Was steht noch auf der Liste? Welche Versicherungen sind sinnvoll?

Wer ein Auto hat, für den ist die KFZ-Haftpflichtversicherung gesetzliche Pflicht. Ich kann dann entscheiden, ob dazu noch eine Teil- oder gar Vollkaskoversicherung für mich sinnvoll ist – was wiederum vom Autowert abhängt. Gepäck, Glas, Handy- oder Brillenversicherung, Versicherungsschutz fürs Haustier oder Diebstahlschutz für das Fahrrad – hier handelt es sich zumeist um Werte von nur ein paar hundert bis tausend Euro. Das rutscht auf der Einkaufsliste nach unten. 

Wenn ich dann meine Liste habe, wie mache ich jetzt weiter? 

Wichtig ist mir, dass man nicht dies und das und jenes abschließt, weil einem ein Versicherungsvertreter etwas verkaufen möchte oder im Internet ein Insurtech aggressive Werbung betreibt. Dann kann es nämlich schnell passieren, dass man am Ende ein Sammelsurium von allem möglichen hat, aber die besonders wichtigen Risiken nicht abgesichert sind und wichtige Versicherungen fehlen. Das ist der größte Fehler, den man machen kann. Das Ziel muss immer klar sein: Ich möchte die für mich in meiner Lebenssituation bedeutenden Risiken absichern. 

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Inflation: Wenn die Versicherung teurer wird

Die Inflation treibt die Preise – auch Versicherungstarife bleiben davon nicht verschont. Die Süddeutsche Zeitung berichtete kürzlich aus der Branche, dass die Versicherer beabsichtigen, die Preise in den Sparten Kfz und Gebäudeversicherung spürbar anzuheben. Preiserhöhungen führen am Ende in vielen Fällen dazu, dass die Bestandskund:innen die höheren Preise zahlen, während Neukund:innen günstiger abschließen können. Ob Kunden mehr zahlen müssen, hängt damit zum großen Teil auch von ihnen selbst ab: Es lohnst sich, regelmäßig Tarife zu vergleichen und zum günstigeren Anbieter zu wechseln. 

Wie finde ich eine Expertin oder einen Experten in dieser Frage? 

Versicherungsberater:innen und -makler:innen müssen einen Marktüberblick haben und sind insofern die richtigen Ansprechpartner:innen. Honorarberater:innen finden sich über den Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB). Die Beratungsleistung lassen sie sich bezahlen, dafür bekommt man über Honorarberater:nnen in vielen Fällen Netto-Tarife. Das ist der Preis für die Versicherung abzüglich der Provision, die die Versicherung für den Vertrieb bezahlt. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die ein ganzes Berufsleben oder sogar länger läuft, kann man mit einem Netto-Tarif über die Jahrzehnte tausende von Euro sparen. 

Makler:innen dagegen leben von den Provisionen der Versicherungen. Dennoch hat der oder die Makler:in wie der Versicherungsberater:in auf meiner Seite im Verbraucher:innenlager zu stehen. Er oder sie muss meine Interessen vertreten als Versicherungsnehmer:in – und darf mir nicht einfach empfehlen, was die höchsten Provisionen einbringt. Im Gespräch erfragen Makler:innen und Berater:innen die Kriterien, die mir als Versicherungsnehmer:in wichtig sind – und das Ergebnis dieser Beratung muss dann bei der Tarifempfehlung maßgeblich sein. 

Ein:e Versicherungsvertreter:in dagegen arbeitet anders. Er oder sie vertritt nur eine Gesellschaft und damit die Interessen diese Versicherers und verkauft nur die Versicherungen, die diese Gesellschaft anbietet. 

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Die Schwierigkeit besteht darin, dass die meisten Menschen ja kein unbeschriebenes Blatt sind und meist im Versicherungsordner schon einige Verträge stecken. Das können Policen sein, zu denen die Eltern oder Freund:innen mal geraten haben oder die beim letzten Handykauf oder mit der Waschmaschine angeboten wurden. Wie bringe ich da Ordnung rein? 

Erst einmal muss ich für mich entscheiden, wie hoch mein Versicherungsbudget sein soll – wieviel Geld möchte ich für Versicherungen ausgeben. Dann gehe ich meine Versicherungs-Einkaufsliste durch und streiche von unten weg, was das Budget überschreitet. Diese Versicherungssparten kann ich dann nicht mehr abschließen. Oder, falls ich da Verträge im Ordner hab, sollte ich sie kündigen. Das ist meist gar kein Problem. Wohngebäudeversicherung, Hausratversicherung, private Haftpflicht, KFZ-Versicherung – diese Policen müssen mich nicht ein ganzes Leben begleiten, das sind in de Regel Jahresverträge, die kann ich jährlich kündigen. 

Angesichts von Inflation und wirtschaftlich zunehmend schwieriger Lage suchen viele händeringend nach Einsparpotenzialen. Kann ich denn auch bei meinen Versicherungen sparen?

Unbedingt. Man sollte regelmäßig prüfen, ob es günstigere Tarife gibt. Ein Weg auf der Suche nach günstigeren Tarifen ist ganz einfach: die Versicherung, deren Kund:in man ist, anschreiben, denn die muss Auskunft geben! Wenige Worte reichen, es geht auch per Mail, zum Beispiel: 

Bitte nennen Sie mir Tarife, die gleich gut oder besser sind und günstiger als mein bestehender Vertrag. Zeigen Sie mir bitte auch im Detail auf, bei welchen Aspekten sich dieser Tarif von meinem bestehenden Tarif unterscheidet.

Meine Versicherung ist bei so einer Anfrage sogar verpflichtet, mich zu beraten. Von sich aus muss sie das nicht machen. Das heißt, es ist durchaus sehr sinnvoll, dass ich nachfrage – und zwar regelmäßig. Da muss der Versicherer arbeiten und in vielen Fällen wird es einen Tarif geben, der dieselben Risiken absichert und dabei sogar günstiger ist. 

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Aber rücken die so gern damit raus?

Das ist von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. Aber Versicherer sind dazu verpflichtet, sie würden gegen das Versicherungsvertragsgesetz verstoßen und können schadenersatzpflichtig werden, wenn sie es nicht tun. Wenn ich nachfrage, bekomme ich daher in aller Regel die gewünschte Auskunft. 

In einem zweiten Schritt kann ich schauen, ob ich nicht vielleicht besseren Versicherungsschutz für weniger Geld bei einer anderen Gesellschaft bekommen kann– da lasse ich mir am besten von einem/r Expert:in helfen, der oder die für mich den Markt durchpflügt und mir dann sagt, ob ich mit einem Wechsel sparen kann.

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