Foto von Christiane von Hardenberg
© Maria Schiffer Photography

Christiane von Hardenberg:
„Nur ETFs wären mir zu langweilig“

Christiane von Hardenberg ist schon seit mehr als 25 Jahren Investorin – und das mit großer Leidenschaft. Warum ihr das Investieren jenseits der klassischen ETFs Riesenspaß macht, erzählt sie uns im Interview.

Christiane von Hardenberg hat gerade ihr erstes Buch geschrieben. „Selbst investiert die Frau“ heißt es. Und selbst investiert auch Christiane – und zwar schon seit ihrem 14. Lebensjahr. Damals noch in Bundesschatzbriefe, heute in Immobilien, Aktien, Kryptowährungen und seit neuestem auch NFTs (Non Fungible Tokens, digitale Echtheitszertifikate). Christiane hat eine Menge ausprobiert – und diese Neugier treibt sie immer noch an. Ihr macht es Spaß, neue Anlageklassen kennenzulernen und auszuprobieren. Es reizt sie, Trends frühzeitig zu erkennen und mit diesem Wissen kluge Entscheidungen am Kapitalmarkt zu treffen.

finanzielle: Wie bist du gestartet, was war dein erstes Investment?

Christiane von Hardenberg: Mein erstes Investment habe ich tatsächlich mit 13 Jahren getätigt. Damals habe ich mit dem Geld, das ich zur Konfirmation bekommen hatte, Bundesschatzbriefe gekauft. Ich musste mein Geld über sechs Jahre anlegen und bekam dafür jedes Jahr sieben Prozent Zinsen – aus heutiger Sicht unvorstellbar. Es hat mich völlig fasziniert, wie mein Geld für mich „arbeitete“. Mehr aber noch hat mich der Zinseszinseffekt begeistert: Ich bekam nicht nur Zinsen, sondern auch Zinsen auf die Zinsen. Auf 1000 Euro gerechnet macht das bei sieben Prozent und sechs Jahren Laufzeit noch einmal zusätzlich 80 Euro – einfach nur fürs Liegenlassen und Wiederanlegen. Bei 10.000 Euro sind es gleich 800 Euro.

Du bist drangeblieben und hast begonnen in alle möglichen Anlageklassen zu investieren. Wieso?

Als Redakteurin bei einer Tageszeitung, noch dazu in Teilzeit, hat der Rentenbescheid jedes Mal schiere Panik in mir ausgelöst – das würde hinten und vorne nicht reichen. Also habe ich schon sehr früh angefangen, in Immobilien zu investieren, um im Alter ein passives Einkommen zu haben. Wenn darüber hinaus noch Geld übrig blieb, habe ich in Aktien investiert. ETFs waren damals noch nicht so bekannt wie heute, Ich habe mich an Dividendenaktien gehalten.

Christiane von Hardenberg ist ist promovierte Volkswirtin, Journalistin und Investorin. Nach Stationen bei der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung arbeitete sie zehn Jahre lang als Wirtschaftsjournalistin für die Financial Times Deutschland. Im vergangenen Jahr ist ihr Buch „Selbst investiert die Frau“ erschienen, in dem sie von ihren Erfahrungen am Kapitalmarkt berichtet. Sie möchte andere Frauen ermutigen, sich ebenfalls mit ihren Finanzen zu beschäftigen und ihr Geld anzulegen.

Viele scheuen das vergleichsweise große Risiko bei Investments in Einzelaktien. Wie geht es dir mit dieser Anlageklasse?

Es kommt auf die Aktie an. Es gibt natürlich sehr schwankungsanfällige Titel. Vor allem bei jungen Wachstumsunternehmen ist das der Fall. Aber es gibt auch sehr werthaltige Unternehmen, die regelmäßig Dividenden auszahlen. Da ist das Risiko sehr überschaubar. 

Wie und wo informierst du dich über Einzelaktien?

Ich lese aufmerksam die Tageszeitung, am liebsten die Financial Times und die Frankfurter Allgemeine sowie deren Sonntagsausgabe. Außerdem höre ich zwei bis drei Mal die Woche in den Podcast „Alles auf Aktien“ rein. Wichtiger als auf Aktien-Empfehlungen zu hören ist es aber, sich einen Gesamtüberblick über die wirtschaftliche Entwicklung zu verschaffen.

Worauf achtest du, wenn du dich für das Investment in eine Aktien entscheidest?

In erster Linie auf das Geschäftsmodel des Unternehmens. Ich schaue mir an, ob das Produkt oder der Service Zukunft hat. Manchmal ist auch das Management überzeugend. Schließlich gucke ich mir auch ein paar Zahlen an, etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder das Umsatzwachstum.

KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Häufig verwendeter Indikator für den Wert einer Aktie, berechnet als aktueller Aktienkurs eines Unternehmens geteilt durch seinen Gewinn pro Aktie. Er gibt damit die Anzahl der Jahre an, in denen das Unternehmen bei konstanten Gewinnen ihren Börsenwert zurückverdient hätte.

Mehr Begriffe aus der Finanzwelt erklären wir in unserem finanzielle-Glossar: Sprichst du… Investisch? 

Hattest du nie Angst oder zumindest Sorgen, dass du mit deinen Investments auch Geld – vielleicht sogar deine gesamte Altersvorsorge – verlieren könntest?

Wenn ich unsicher war, habe ich zunächst mit kleinen Beträgen investiert. Die Sicherheit kam mit dem Erfolg. Und wenn mal etwas schief gegangen ist, war es auch kein Desaster. Im Gegenteil, meist habe ich daraus etwas gelernt.

Welche Vorkenntnisse sollte man mitbringen, wenn man sich über den klassischen ETF-Sparplan hinaus wagen und zum Beispiel in Einzelaktien, Kryptowährungen oder auch Immobilien investieren möchte?

Wenn man in eine neue Anlageklasse investiert, muss man sich vorher sehr gut informieren. Glücklicherweise gibt es heute sehr viel bessere Angebote als noch um die Jahrtausendwende, als ich mit dem Investieren begonnen habe. Heute gibt es Finanzmagazine für Frauen, tolle Workshops, aber auch Youtube-Channels wie Finanzfluss und Plattformen wie der Happy Immo Club. Alle erklären, wie man in ETFs, Aktien, Immobilien & Co. investieren kann. Es ist großartig, dass Finanzwissen heute für jede Frau leicht zugänglich ist. Ich wünschte, das hätte es damals schon gegeben. 

Was ist denn deine liebste Anlageklassen?

Ich habe keine Lieblingsanlageklasse. Die Mischung macht‘s. Immobilien sind für mich ein ideales, langfristiges Basisinvestment. ETFs eine bequeme, wenn auch etwas langweilige Anlage. Aktien bringen Schwung ins Portfolio. Und NFTs und Krypto sind das I-Tüpfelchen. Alles hat seine Berechtigung, es kommt immer auf das Ziel, die Situation und eine gute Diversifikation an.

Du bist mit Immobilien, Aktien und Kryptowährungen schon sehr breit aufgestellt. Probierst auch noch neue Dinge aus?

Ja, auf jeden Fall. Ich kaufe gerade mein erstes NFT. Ich mache das vor allem aus Neugier, weil ich NFTs einfach verstehen wollte und es mir Spaß macht, neue Anlageklassen kennenzulernen. Zudem kaufe ich auch immer wieder Kunst – eher, weil ich sie liebe, weniger aus Renditeerwartungen. Aber darum habe ich auch einen Zugang zu NFTs und finde das Thema spannend. 

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Bist du mit einem Investment schon mal auf die Nase gefallen?

Ja, mit der Amazon-Aktie. Der Kurs lag damals bei über 110 Euro, nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 dümpelte der Kurs jahrelang bei unter 10 Euro. Irgendwann habe ich entnervt verkauft. Glücklicherweise hatte ich nur einen kleinen Betrag investiert.

Die Amazon-Aktie steht aktuell bei rund 3000 Euro. Hast du dich da nicht wahnsinnig geärgert, dass du sie nicht einfach behalten und abgewartet hast?

Tatsächlich habe ich die Aktie glücklicherweise erneut gekauft, als das Unternehmen aus Seattle nicht mehr nur noch Bücher, sondern alle möglichen Waren im Internet verkauft hat. Ich habe damals gesehen, dass hier doch viel Potenzial steckt, da plötzlich alle Leute – ich inklusive – bei Amazon bestellt haben. Das war irgendwann zu Beginn der 2010er Jahre. Seit meinem Kauf hat sich der Kurs mehr als verzehnfacht. Ich hatte also erst Pech, dann Glück mit Amazon.

Was genau macht dir Spaß am Investieren?

Früh zu erkennen, was wichtig wird. Und wenn sich damit noch Geld verdienen lässt, macht es natürlich noch viel mehr Spaß.

„Jede Frau kann investieren.“

Christiane von Hardenberg

Braucht es vielleicht auch etwas Erfahrung und Mut, bis das Investieren wirklich Freude bringt? Oder muss man dazu ein spezieller Typ sein?

Nein, jede Frau kann investieren. Manche Anlegerinnen sind vielleicht etwas risikofreudiger, aber das muss nicht immer ein Vorteil sein. Wenn man die ersten Erfolge sieht, macht es schnell Spaß. Man wird mutiger und traut sich mehr zu.

Und was ist mit Geld – muss man bereits viel davon haben, um in Immobilien und Aktien zu investieren?

Selbst mit 25 Euro im Monat sollte man anfangen zu investieren, am besten in einen monatlichen ETF-Sparplan. Bei Einzelaktien sollte man schon mindestens 1000 Euro übrig haben, auf die man im Zweifel auch verzichten könnte, denn mit Einzelaktien kann auch mal was schief gehen. Für Immobilieninvestments braucht man weit weniger Eigenkapital als die meisten Menschen vermuten. Je nach Kaufpreis können schon 10.000 Euro ausreichen. Das kommt aber natürlich immer auch auf die individuellen Umstände an.

Was rätst du anderen Frauen, die Lust haben, neben ihrem Sparplan für die Altersvorsorge auch in einzelne Unternehmen, Immobilien oder auch Kryptos zu investieren?

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