Junge Frauen mit Laptop auf der Treppe: Aktienanalyse – So gehst du Schritt für Schritt vor
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Aktienanalyse: So gehst du Schritt für Schritt vor

Aktien sollten auf Herz und Nieren geprüft werden, bevor sie im Depot landen. Das gelingt am besten mit einer gründlichen Aktienanalyse. Wir erklären dir Schritt für Schritt, wie das geht.

Aktienanalyse – die Basis deiner Investition

Wer sich näher mit der Anlageklasse Aktien befassen möchte, kommt um eine Aktienanalyse nicht umhin. Finanzprofis sprechen in diesem Zusammenhang oft auch von einer Fundamentalanalyse einer Aktie. Das bedeutet, die jeweilige Aktie wird einer gründlichen Prüfung unterzogen. An ihn wird sich der Börsenkurs auf lange Sicht anpassen. Liegt der Aktienkurs eines Unternehmens unter dem ermittelten fairen Wert, ist dies ein Kaufsignal. Dann gilt das Unternehmen als unterbewertet und es Kursgewinne. Zu einer gründlichen Fundamentalanalyse gehören die Globalanalyse, die Branchenanalyse sowie die Unternehmensanalyse. Falls du dich fragst „Wie finde ich die richtige Aktie?„, haben wir hier drei Schritte für einen Speed-Check.

Erster Schritt der Fundamentalanalyse: Die Globalanalyse

Bei der Globalanalyse werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens betrachtet. Gibt es Faktoren, die auf absehbare Zeit einen Einfluss – negativ oder positiv – auf das Unternehmen haben könnten? Zum Beispiel Löhne, Preise, Zinsen, die Entwicklung der Wirtschaft sowie politische Einflussfaktoren? Hier ist es hilfreich, regelmäßig Wirtschaftsnachrichten zu lesen und einen Überblick zu haben, was aktuell in Politik und Wirtschaft los ist. Überlege dir, welchen Einfluss Trends und Entscheidungen auf das Unternehmen haben könnten, für das du eine Aktienanalyse durchführen willst – und besorge dir im Zweifel weitere Informationen: Etwa über offizielle Statistiken und Prognosen von Banken sowie Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.

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Branchenanalyse

Bei der Branchenanalyse werden strukturelle Faktoren sowie die Branchenstruktur untersucht: Wer sind die Wettbewerber? Wie sind die Marktanteile verteilt? Gibt es Produktnischen, auf die man sich spezialisieren kann? Auch hier ist es ratsam, über das Unternehmen in den Medien sowie auf der eigenen Webpräsenz zu recherchieren – und wenn möglich sogar die Produkte zu testen. Entsteht hier der Eindruck, dass das Unternehmen im Vergleich zu Wettbewerbern nicht gut dasteht, sollte man von einem Kauf ebenfalls Abstand nehmen.

Unternehmensanalyse

Die Unternehmensanalyse teilt sich in einen qualitativen und einen quantitativen Teil und ist das Herzstück der Aktienanalyse. Bei der qualitativen Analyse wird untersucht, was sich nur schlecht in Zahlen ausdrücken lässt: Wie ist das Unternehmen an der Führungsspitze aufgestellt, wie nachhaltig ist das Geschäftsmodell des Unternehmens, welchen Innovationsgrad besitzt es aktuell? Die quantitative Analyse hingegen basiert auf Kennzahlen, die Einzelgrößen ins Verhältnis zueinander setzen. Diese ermöglichen es, Aktien miteinander zu vergleichen und eine fundierte Investitionsentscheidung zu treffen.

Quantitative Unternehmensanalyse

Zu den wichtigsten Kennzahlen bei der quantitativen Analyse gehören unter anderem das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), die Dividendenrendite oder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis). Weitere Kennziffern, die bei der Analyse ebenfalls häufig berücksichtigt werden, sind das KCV (Kurs-Cash-Flow-Verhältnis) sowie die Verschuldung. Es ist sinnvoll, gleich mehrere Kennzahlen zur Prüfung heranzuziehen, um einen guten Gesamtüberblick zu erhalten und eine fundierte Entscheidung treffen zu können. 

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Hier findest du die wichigsten Kennzahlen – und was sie aussagen:

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV):

  • Bedeutung: Das KGV gibt an, wie viele Jahre es dauern würde, bis das Unternehmen seinen aktuellen Aktienkurs in Form von Gewinnen pro Aktie erwirtschaftet hat.
  • Berechnung: Kurs der Aktie / Gewinn pro Aktie
  • Interpretation: Ein höheres KGV deutet darauf hin, dass die Anleger bereit sind, einen höheren Preis für die Gewinne des Unternehmens zu zahlen. Ein niedriges KGV könnte auf unterbewertete Aktien hindeuten. Allerdings variieren die KGVs von Branche zu Branche. Allgemein gilt: Einen KGV von unter 15 sehen Analyst:innen in der Regel als niedrig an, liegt der KGV bei über 25 gilt die Aktie eher als teuer.

Dividendenrendite:

  • Bedeutung: Die Dividendenrendite misst das Verhältnis der Dividende zum aktuellen Aktienkurs und gibt an, wie viel Rendite ein Anleger in Form von Dividenden erhalten könnte.
  • Berechnung: Dividende pro Aktie / Aktienkurs.
  • Interpretation: Eine höhere Dividendenrendite kann auf eine attraktivere Rendite hinweisen, aber es ist wichtig zu prüfen, ob das Unternehmen nachhaltige Dividenden zahlt. Zudem kann eine hohe Dividendenrendite auch auf jüngste Kursverluste hindeuten – darum unbedingt auch den Aktienchart ansehen, um die Dividendenrendite einzuordnen.

Eigenkapitalrendite (ROE):

  • Bedeutung: Die ROE misst die Rentabilität des Eigenkapitals und zeigt, wie effizient ein Unternehmen das investierte Eigenkapital nutzt, um Gewinne zu erzielen.
  • Berechnung: Gewinn nach Steuern / Eigenkapital.
  • Interpretation: Ein höheres ROE deutet darauf hin, dass das Unternehmen effizienter arbeitet und mehr Gewinn aus dem Eigenkapital generiert.

Verschuldungsgrad:

  • Bedeutung: Der Verschuldungsgrad gibt an, inwieweit ein Unternehmen Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital einsetzt.
  • Berechnung: Fremdkapital / Eigenkapital.
  • Interpretation: Ein höherer Verschuldungsgrad kann auf ein höheres Risiko hindeuten, da das Unternehmen mehr Fremdkapital verwendet.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV):

  • Bedeutung: Das KBV vergleicht den aktuellen Aktienkurs mit dem Buchwert pro Aktie und gibt an, ob eine Aktie über- oder unterbewertet ist.
  • Berechnung: Aktienkurs / Buchwert pro Aktie.
  • Interpretation: Ein KBV über 1 könnte darauf hinweisen, dass die Aktie teurer ist als der Buchwert, während ein KBV unter 1 auf eine potenzielle Unterbewertung hinweisen könnte.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV):

  • Bedeutung: Das KCV vergleicht den aktuellen Aktienkurs mit dem operativen Cashflow pro Aktie und bietet eine alternative Sichtweise zur Bewertung im Vergleich zum KGV. Es gibt an, wie viel der Markt bereit ist, für einen Dollar Cashflow zu zahlen.
  • Berechnung: Kurs der Aktie / Cashflow pro Aktie.
  • Interpretation: Ein niedriges KCV kann darauf hinweisen, dass die Aktie unterbewertet ist, während ein hohes KCV auf eine potenzielle Überbewertung hindeuten kann. Das KCV wird oft im Zusammenhang mit dem KGV betrachtet, um ein umfassenderes Bild der Bewertung zu erhalten.

Darauf solltest du bei der Aktienanalyse außerdem achten!

Wichtig ist: Kennzahlen sollten nie isoliert, sondern im Kontext anderer Kennzahlen und Faktoren betrachtet werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Analysen sowie der Global- und der Branchenanalyse ist in der Regel am aussagekräftigsten. Informationen kannst du dir auf vielfältige Weise suchen. Die regulären Finanzberichte wie der Jahresbericht (Jahresabschluss), Quartalsberichte und Geschäftsberichte des Unternehmens sind wichtige beispielsweise Quellen. Diese Berichte enthalten oft detaillierte finanzielle Kennzahlen. Es gibt spezialisierte Finanzdatenbanken und -plattformen, die eine umfassende Sammlung von Finanzkennzahlen bieten. Beispiele hierfür sind Yahoo Finance, Google Finance, Morningstar oder Bloomberg. Auch die Websites der Börsen, an denen die Aktien gehandelt werden, bieten oft grundlegende Finanzkennzahlen. Berichte von Finanzanalyst:innen und Investmentbanken können ebenfalls Einblick in Finanzkennzahlen geben. Diese Berichte sind jedoch oft kostenpflichtig und können über spezielle Finanzdienstleister oder Broker bezogen werden. Grundsätzlich ist es bei der Suche nach Finanzkennzahlen ratsam, mehrere Quellen zu überprüfen, um die Genauigkeit und Vollständigkeit der Daten zu gewährleisten.

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