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Entspannt und breit gestreut investieren – Vreni Frost macht es vor

Angstschweiß bei dem Wort "Finanzen"? Die Podcasterin und Moderatorin Vreni Frost will dem ein Ende setzen und hat ein Buch geschrieben, dessen Titel Programm ist: Coin Stress! Warum das aus ihrer Sicht nötig ist und wie man entspannt und breit gestreut vorsorgt, verrät die Berlinerin im Interview.

Vreni Frost plädiert dafür, sich dem Thema Finanzen gelassen zu nähern, dabei aber gründlich vorzugehen. Nur wer sich mit sich selbst auseinandersetzt, findet heraus, welcher Weg der individuell richtige ist. Wichtig ist, nicht vorschnell auf einen Zug aufzuspringen, sondern sich möglichst breit aufzustellen. Wie sie das selbst umsetzt? Erklärt sie uns im Interview.

finanzielle: „Coin Stress“ heißt dein neues Buch. Mit Kryptowährungen, die auch oft als Coins bezeichnet werden, hat das aber nichts zu tun. Womit dann?

Vreni Frost: Es gibt mittlerweile viele Bücher zum Thema Finanzen, aber ich habe gemerkt, dass selbst die Bücher für Einsteigerinnen relativ kompliziert geschrieben sind und teilweise schon viel Wissen voraussetzen. Dabei ist das Thema keine Raketenwissenschaft und jede:r von uns kann es verstehen. Mir fehlte ein Buch, das Wissen vermittelt, einen aber nicht so unter Druck setzt. Ich wollte einfach ganz relaxed an das Thema herangehen und zeigen, dass man loslegen kann mit dem, was man hat, ohne gleich den ganz großen Reichtum anzustreben. 

Du sagst von dir selbst, dass du früher eine eher schwierige Beziehung zu Geld hattest. Wie hat sich das mittlerweile geändert?

Ich bin mit dem Thema viel selbstbewusster geworden – auch nochmal dank der Recherche und des Schreibens meines eigenen Buches. Das ist aber bei jedem Thema so: Je besser ich mich in einem Bereich auskenne, desto motivierter bin ich und desto mehr Spaß macht es mir auch. Das heißt jetzt nicht, dass ich nichts lieber täte als beispielsweise meine Steuererklärung zu machen, aber es gibt mir ein gutes Gefühl, mich auszukennen und zu wissen, was passiert. Mir macht es total viel Spaß, mich da selber reinzufuchsen. Und wenn ich nicht weiterkomme, habe ich außerdem keine Scheu mehr, mir Hilfe zu holen. 

Vreni Frost Coin Stress Buch

Finanzen muss nicht Stress bedeuten. Vreni Frost möchte mit ihrem Buch zeigen, wie es entspannt geht.

Du schreibst in dem Buch, dass es – auch beim Investieren – wichtig ist, zu wissen, was man im Leben will. Warum?  

Uns wird von der Gesellschaft ganz oft vorgegeben, wie wir sein müssen, was wir machen müssen und wie wir zu leben haben. Ich bin in den vergangenen zehn Jahren immer wieder aus den gesellschaftlichen Normen ausgebrochen – entweder weil ich wollte oder krankheitsbedingt musste. Ich habe gelernt, dass Zufriedenheit das Wichtigste im Leben ist, dass die aber gar nicht so einfach zu erreichen ist. Deswegen ist es total wichtig, sich ehrlich zu hinterfragen, was man eigentlich will – abseits von allen äußeren Einflüssen. 

Wie findet man heraus, was man will?

Indem man sich ehrlich mit sich selbst auseinandersetzt. Das tut in den meisten Fällen erstmal richtig weh. Man geht da an Probleme ran, die man vielleicht über Jahre betäubt hat – mit Alkohol, Drogen, Sex oder – wie bei mir – durch Konsum. Bei mir war der Auslöser, mich mit mir selbst zu befassen, tatsächlich der Ausbruch meiner schweren Depression mit Mitte 20. Ich habe seitdem über zehn Jahre lang in verschiedensten Therapien hart an mir gearbeitet. Mit 30 habe ich das erste Mal in meinem Leben ein Gefühl verspürt, das ich so nicht kannte: Zufriedenheit. Ich fand dieses Gefühl so geil, dass ich – trotz meines eher quirligen Wesens – ein total in sich ruhender Mensch geworden bin. Ich weiß, was mir gut tut. Und ich bin mit mir selbst und auch mit anderen viel ehrlicher geworden. 

Und auch selbstbewusster?

Ich finde das Wort Selbstbewusstsein immer so schön. Wir verbinden mit Selbstbewusstsein immer diese starken Leute, die ganz vorne mitspielen. Aber Selbstbewusstsein bedeutet eigentlich, ich bin mir meiner selbst sehr bewusst. Dann muss ich auch nicht mehr irgendwelche negativen Emotionen durch Konsum oder ähnliches deckeln. Und das bringt einen viel verantwortungsbewussteren Umgang mit Geld mit sich. Und auch einen sehr viel schöneren.

Wie wirkt sich das auf deine finanziellen Ziele aus?

Ich habe gar keine finanziellen Ziele.

Ehrlich nicht? Viele Menschen haben ja recht konkrete Wünsche und Ziele, was sie gerne haben möchten: ein tolles Haus, edlen Schmuck, ein Cabrio. 

Klar, ich kann mir vieles vorstellen. Mein Herz schlägt tatsächlich für ein kleines Haus mit Garten – das wäre toll. Aber es ist kein festes finanzielles Ziel, das ich unbedingt erreichen will. Ich habe ein so schönes Zuhause, das wächst und sich verändert. Ich kaufe mittlerweile gerne Designermöbel oder Vintage-Möbel und bin total dankbar, dass ich mir sowas leisten kann.  

Meine wichtigste Investition sind meine Versicherungen.

Vreni Frost

Wie sicherst du dich fürs Alter ab?

Meine wichtigste Investition sind meine Versicherungen. Das sehen viele nicht als Investment. Für mich ist es das aber, weil ich darüber meine Gesundheit und meine Existenz absichere. Am liebsten investiere ich in Kunst, setze aber für die Altersvorsorge auf ETF-Sparpläne, Fonds und auch einige Einzelaktien. 

Ich bespare regelmäßig einen ETF auf den MSCI World mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Klingt langweilig, fühlt sich aber gut an.

Vreni Frost

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Dann bist du ja breit aufgestellt. Wie wählst du Aktien aus?

Meine erste Aktie war die des Luxus-Herstellers LVMH. Ich liebe die Produkte und mir war klar, dass diese Aktie in mein Depot muss. Ansonsten beobachte ich verschiedene Unternehmen und überlege mir, wie sich die Branche und der Markt entwickeln könnten. Wichtiger ist aber mein ETF-Sparplan: Ich bespare regelmäßig einen ETF auf den MSCI World mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Ein breit gestreutes Basis-Investment. Klingt langweilig, fühlt sich aber gut an. Wobei ich sagen muss, dass ich beim dem Thema Nachhaltigkeit noch skeptisch bin, weil die Kriterien da sehr schwammig sind. Ich will beispielsweise keine Nestlé-Aktien haben, aber in vielen auch nachhaltigen Finanzprodukten sind die mit drin. Ich hoffe einfach, dass Nachhaltigkeit in Zukunft noch ehrlicher gelebt wird. 

Deine Lieblingsinvestments sind Kunstwerke.  Warum? 

Ich empfinde Kunst als nicht sehr risikoreich, weil das Kunstwerk ja physisch da ist und mich jeden Tag erfreut. Klar, dass man damit einen Wertgewinn hat, ist nicht zwingend gegeben. Darum achte ich immer drauf, dass ich das Werk halbwegs günstig einkaufe, vor allem bei noch eher unbekannten Künstler:innen. Denn es besteht die Chance, dass sie bekannter werden und gleichzeitig unterstütze ich sie mit meinem Kauf.  

Viele Deutsche lieben ja Immobilien. Du auch?

Ich sage mal so: Ich liebe es zu wohnen. Und ich liebe die Wohnung, in der ich lebe, und würde sie am liebsten kaufen. Eventuell klappt das tatsächlich im kommenden Jahr. Aber bislang habe ich noch nicht in Immobilien investiert.

Und wie sieht es mit riskanten Anlageklassen wie Kryptowährungen aus?

Ich mag Abenteuer ja gerne, möchte darauf aber gut vorbereitet sein. An Kryptowährungen stört mich aktuell noch, dass das Schürfen beispielsweise von Bitcoin so ein krasser Klimakiller ist. Ich beobachte das Ganze darum erstmal. Ich bin noch nicht reingehüpft in den in den Pool, aber ich stehe am Beckenrand und bin grundsätzlich bereit zum Sprung.

Total ätzend, aber zugleich eines der hilfreichsten Dinge überhaupt ist ein Haushaltsbuch.

Vreni Frost

Wenn du zurückblickst auf deine Finanzreise, was waren die drei hilfreichsten Dinge für dich, um mit deinen Finanzen klarzukommen?

Total ätzend, aber zugleich eines der hilfreichsten Dinge überhaupt ist ein Haushaltsbuch. Erst Kassensturz machen und dann drei bis sechs Monate alle Einnahmen und Ausgaben aufschreiben. Ich mach das jetzt seit Jahren mit einer App, das geht ganz easy. Du lernst so viel über dein eigenes Geldverhalten. Wichtig für mich war auch ein Versicherungscheck. Ich war in einigen Bereichen völlig überversichert, in anderen Bereichen total unterversichert. Das habe ich mittlerweile ausgeglichen und bin gut geschützt. Und dann empfehle ich noch, einen Fuck-you-Fund zu haben, also einen Notgroschen für schlechte Zeiten.  

Und wie schafft man es nun, bei all dem „Coin Stress“ zu haben?

Mich beruhigt es ja immer, wenn ich mich auskenne. Darum mein Tipp: Informiere dich, eigne dir Wissen an und suche dir zum Beispiel auch Unterstützung. Ich empfehle in meinem Buch allen Leserinnen: Gründe mit Freundinnen einen Finanzclub! Ähnlich wie ein Buchclub trefft ihr euch und tauscht euch aus. Ihr lernt, über Geld zu sprechen. Und es beruhigt ungemein, wenn man merkt, dass man mit seinem Struggle nicht alleine ist.

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